So sieht ein fairer Vertrag aus
Checklisten fairer, marktüblicher Bedingungen für die vier häufigsten Vertragstypen. Leg sie neben alles, was auf deinem Tisch landet.
Faire, marktübliche Bedingungen — allgemeine Orientierung, keine Rechtsberatung.
Wohnraummietvertrag
So sieht ein mieterfairer Vertrag aus. Weicht der Vertrag vor dir in mehreren Punkten ab, verhandle vor der Unterschrift.
- Kaution
- ✓ 1–2 Monatsmieten, Rückzahlung innerhalb von 30 Tagen nach Auszug, Abzüge nur für dokumentierte Schäden mit einzeln aufgeführten Belegen.
- Miete während der Festlaufzeit
- ✓ Fest. Anpassungen nur bei Verlängerung, gebunden an einen offiziellen Inflationsindex.
- Reparaturen
- ✓ Vermieter trägt Abnutzung, Installationen und Geräte; Mieter trägt kleine Instandhaltung und selbst verursachte Schäden. Übergabeprotokoll mit Fotos, von beiden unterschrieben.
- Besuche des Vermieters
- ✓ 24–48 Stunden schriftliche Ankündigung, zumutbare Zeiten, Mieter anwesend — außer im Notfall.
- Vorzeitige Kündigung
- ✓ Symmetrisch: gleiche Kündigungsfrist (≈60 Tage) für beide Seiten; Entschädigung auf eine Monatsmiete begrenzt.
- Verzugsgebühren
- ✓ Eine Kulanzfrist von ~5 Werktagen und eine monatliche Obergrenze. Unbegrenzte Tagesstrafen sind ein Warnsignal.
- Streitigkeiten
- ✓ Ordentliche Gerichte am Ort der Immobilie. Kein einseitig gewähltes Schiedsverfahren.
Arbeitsvertrag
So sieht ein arbeitnehmerfairer Vertrag im EU-Kontext aus. Das örtliche Arbeitsrecht garantiert oft mehrere dieser Punkte, auch wenn der Vertrag etwas anderes sagt.
- Überstunden
- ✓ Eine festgelegte Zahl inkludierter Stunden (z. B. bis zu 10/Monat) — darüber hinaus bezahlt oder durch Freizeit ausgeglichen.
- Geistiges Eigentum
- ✓ Übertragung beschränkt auf Arbeit im Rahmen deiner Aufgaben oder mit Firmenmitteln. Private Projekte in der Freizeit bleiben ausdrücklich deine.
- Wettbewerbsverbot
- ✓ Nur wenn wirklich nötig: max 6–12 Monate, enge Definition des Wettbewerbers, begrenzte Region und bezahlt (in Deutschland: ≥50 % des letzten Gehalts — gesetzlich vorgeschrieben).
- Kündigungsfristen
- ✓ Symmetrisch für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
- Probezeit
- ✓ 3–6 Monate mit der gesetzlichen Kündigungsfrist, nicht weniger.
- Fortbildungskosten
- ✓ Gestaffelte Rückzahlung, die monatlich sinkt, eine Kostengrenze und Ausschluss berufsbedingt erforderlicher Schulungen.
- Bonus & Leistungen
- ✓ Die Formel steht im Vertrag selbst — nicht in Richtlinien, die der Arbeitgeber beliebig ändern kann.
Freelancer-/Dienstleistungsvertrag
So sieht ein auftragnehmerfairer Dienstleistungsvertrag aus. An der Zahlungsstruktur scheitern die meisten Freelancer-Verträge.
- Zahlungsstruktur
- ✓ Meilensteine (z. B. 30/30/30/10) — niemals der Großteil des Honorars hinter einer subjektiven Endabnahme.
- Zahlungsziele
- ✓ 30 Tage (Standard der EU-Zahlungsverzugsrichtlinie), gesetzliche Verzugszinsen, Recht zur Arbeitspause bei erheblichem Zahlungsverzug.
- Überarbeitungen
- ✓ Eine festgelegte Zahl inkludierter Runden (meist 2); weitere Runden zum Tagessatz.
- Abnahme
- ✓ Gilt als abgenommen, wenn keine konkreten schriftlichen Einwände innerhalb von ~10 Werktagen erfolgen.
- Geistiges Eigentum
- ✓ Übergang bei vollständiger Zahlung. Abgelehnte Entwürfe bleiben deine; Portfoliorechte bleiben erhalten.
- Haftung
- ✓ Beidseitig auf das gezahlte Honorar begrenzt; Folgeschäden ausgeschlossen.
- Stornierung
- ✓ Bezahlung aller erbrachten Arbeit plus eine Ausfallgebühr (20–25 % des Rests) bei Kündigung aus Bequemlichkeit.
- Exklusivität
- ✓ Standardmäßig keine — oder eng, zeitlich begrenzt und separat vergütet.
Fitnessstudio & Abo-Dienste
So sieht ein verbraucherfaires Abo aus — Fitnessstudios, Streaming, Software, alles, was sich verlängert.
- Verlängerung
- ✓ Monatlich nach der Erstlaufzeit, jederzeit mit ~30 Tagen Frist kündbar. Die automatische Verlängerung um ein weiteres ganzes Jahr ist die klassische Falle.
- Kündigungsweg
- ✓ So einfach wie die Anmeldung — online oder per E-Mail, mit schriftlicher Bestätigung. Vorgaben à la „nur Einschreiben“ sind gewollte Hürden.
- Preisänderungen
- ✓ Persönliche Benachrichtigung (E-Mail) plus das Recht, bei Nichtannahme der Erhöhung straffrei zu kündigen.
- Gesamtpreis
- ✓ Der beworbene Preis ist der echte Preis. Aufnahmegebühr und vage wiederkehrende „Gebühren“ gehören in die Hauptzahl.
- Pausierung
- ✓ Kostenlos mit ärztlichem Attest; die pausierte Zeit verlängert die Laufzeit, statt sie zu verbrauchen.
- Fehlgeschlagene Zahlungen
- ✓ Höchstens eine Verwaltungsgebühr pro Abrechnungszeitraum, mit E-Mail-Warnung vor erneuten Versuchen.
- Haftung
- ✓ Der Anbieter bleibt für Fahrlässigkeit verantwortlich — seine Geräte, sein Personal, seine Räume. Pauschale Haftungsausschlüsse halten selten stand und sollten gar nicht drinstehen.